Diesen Artikel habe ich schon vor ziemlich genau zwei Jahren geschrieben, also Anfang März 2023. Ich wollte daraus heute zitieren, da ist mir aufgefallen dass ich den nie veröffentlicht habe. Warum weiß ich ehrlich gesagt nicht, eigentlich fehlten da nur noch die Bilder vom Gerät.
Die Verpeilung hat aber den netten Nebeneffekt dass ich direkt auch meine Langzeit-Erfahrung schildern kann. Ist ja vielleicht auch nicht uninteressant. Die habe ich unten nachgereicht.
Vor Ewigkeiten — das muss bald zwei Jahrzehnte her sein — hat die c’t mal einen Heimserver-Bauvorschlag gemacht den ich teilweise umgesetzt hatte. Auf Basis von Debian und User Mode Linux haben die eine Firewall virtualisiert. So lief dann bei mir ein Endian auf dem Server mit. UML wurde irgendwann durch Xen ersetzt, Endian durch pfSense, Xen durch Proxmox, und schließlich pfSense durch OPNsense. Durchgehend hatte ich also meine Netzwerk-Organisation als virtuelle Maschine auf dem Server mitlaufen.
Das spart Strom, ist aber leider unhandlich wenn man mal am Server arbeiten möchte. Fährt man den Server herunter ist auch das Internet weg. Perspektivisch möchte ich mich vom Server trennen, also musste ein Ersatz her.
Standard sind für zu Hause wohl Fritz!Boxen. Darüber habe ich schon viel gutes gehört, aber damit habe ich keine Erfahrung. Mit OPNsense bin ich sehr zufrieden, und für mein WLAN habe ich eine andere Lösung. Ich habe mich etwas umgesehen und mir dann eine Sophos SG105 Rev. 2 zugelegt. Nicht weil das die ultimative Hardware für mich ist, sondern einfach weil ich das Ding günstig bekommen habe. Mit 19″-Zubehör habe ich etwas über 100 Euro bezahlt.
Auf Dauer wird der Stromverbrauch die Anschaffungskosten zweitrangig erscheinen lassen, deshalb habe ich das Ding direkt nach meiner Installation mal an mein Verbrauchsmessgerät gehängt. Während des Bootens wurden bis zu 7,3W angezeigt, später ohne Last Werte um 5,8W. Das ist natürlich deutlich über einem Raspberry. Mein Provider hat seinerzeit die FritzBox 7390 angeboten, für den Nachfolger 7590 setzt AVM 9-10W idle und 30W peak an — erstaunlich, ich wäre davon ausgegangen dass die auch sparsamer sind. Bei Gelegenheit muss ich mit meinem Messgerät vielleicht nochmal einen Nachbarn besuchen…
Im Inneren meiner Sophos-Box steckt im Prinzip ein vollständiger PC. Die CPU wird als „Intel(R) Atom(TM) CPU E3826 @ 1.46GHz (2 cores, 2 threads)“ identifiziert, ich habe 4GB RAM und eine SSD mit 64GB (Transcend SSD370). Neben vier LAN- habe ich zwei USB-Schnittstellen und einen VGA-Port, mehr braucht es nicht.
Auf der Download-Seite habe ich das VGA-Image für amd64-Architektur runtergeladen, entpackt und auf einen Stick geschrieben:
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dd bs=4M if=OPNsense-23.1-OpenSSL-vga-amd64.img of=/dev/sda conv=fsync oflag=direct status=progress |
Mit angeschlossenem Stick, Tastatur und VGA-Bildschirm hat die Box das dann auch direkt gestartet — und ist nach ein paar Sekunden in einen nichtssagenden Fehler gelaufen:
1 |
Stopped at send_kbd_command+0x49: movq %r12,%rdi |
Das Internet sagt, man müsste in dem Fall im BIOS eine Anpassung machen: unter Advanced/USB Configuration gibt es einen Punkt „Port 60/64 Emulation“. Der muss disabled werden, dann geht es. Also wie früher beim Booten auf [DEL] hämmern, einstellen, fertig.
Die restliche Installation verläuft dann wie immer. Ich habe dem LAN-Interface noch eine freie IP-Adresse aus meinem Netz gegeben, die restliche Konfiguration kann ich dann per Webinterface machen. Oder besser: von der alten VM übernehmen. Das werde ich hier nicht beschreiben, dazu gibt es reichlich Informationen online.
Alles in allem kann man sich das Gerät so sehr einfach „zu eigen machen“ und hat eine nette Hardware für den kleinen Geldbeutel. Was da vorher drauf lief weiß ich nicht, das habe ich mir nicht genauer angesehen. Es wird das Sophos Firewall OS gewesen sein. Aber die Installation von OPNsense war geradezu erfreulich langweilig. Intuitiv und aus der Erfahrung mit diversen anderen Geräten hätte ich gedacht dass da wenigstens ein BIOS-Passwort hinterlegt wäre oder sowas. Glücklicherweise nicht, denn so kann man das Ding ohne Probleme noch für Heimzwecke weiternutzen. Anders wäre es unter Umständen ein Fall für den Elektroschrott gewesen…
Langzeit-Erfahrung
Das Ding läuft seit mittlerweile zwei Jahren absolut stabil. Ich habe ein gutes Gefühl bei der Software, und alle Upgrades lassen sich bequem über die Weboberfläche machen. Ich kann ehrlich sagen dass ich das Gerät in der Laufzeit nicht einmal berührt habe, Power-Cycle gab es nur bei dem einen oder anderen Gewitter, wenn auch meinem Server der Saft weggeblieben ist.
Genau so wollte ich das haben. Meine Empfehlung.